Linda Tripp nahm Monica Lewinsky auf und trug zur Amtsenthebung eines Präsidenten bei

Linda Tripp nahm Monica Lewinsky auf und trug zur Amtsenthebung eines Präsidenten bei

Linda Tripp war eine Pentagon-Mitarbeiterin, die ihre Freundin Monica Lewinsky heimlich aufnahm, als diese über eine Affäre mit Präsident Bill Clinton sprach. Sie übergab dem Sonderermittler Ken Starr 1998 rund 20 Stunden an Tonbändern. Die Aufnahmen trugen zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten bei und machten Tripp zu einer der meistgehassten Frauen Amerikas.

Das Wichtigste in Kürze

  • Linda Tripp nahm heimlich rund 20 Stunden an Telefonaten mit Monica Lewinsky auf.
  • Sie übergab die Bänder dem Sonderermittler Ken Starr und erhielt Straffreiheit.
  • Die Bänder belegten die Affäre und trugen 1998 zum Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Clinton bei.
  • Das Pentagon gab daraufhin ihre privaten Akten an die Presse weiter, um sie zu diffamieren - ein Rechtsbruch.
  • Sie erstritt mehr als 595.000 Dollar, nachdem der Staat ihre Privatsphäre verletzt hatte.

Wer war Linda Tripp?

Linda Tripp war eine langjährige Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst, keine politische Insiderin. Sie wurde 1949 in New Jersey geboren. Sie verbrachte Jahre im öffentlichen Dienst, darunter eine Zeit beim Militärgeheimdienst der Army. In den 1990er Jahren arbeitete sie im Weißen Haus und wechselte dann ins Presseamt des Pentagon.

Linda Tripp auf einem Jahrbuchporträt ihrer Highschool von 1965

Linda Tripp auf einem Jahrbuchfoto von 1965, lange vor dem Skandal.
(public domain)

Tripp arbeitete zunächst unter Präsident George H.W. Bush im Weißen Haus. Sie blieb bis in die frühen Clinton-Jahre. Später wechselte sie ins Pentagon. Dort lernte sie eine jüngere Mitarbeiterin namens Monica Lewinsky kennen. Lewinsky war 24 Jahre jünger, und die beiden Frauen wurden Freundinnen.

Lewinsky hatte gerade eine Stelle im Weißen Haus aufgegeben. Sie begann, sich Tripp anzuvertrauen. Sie erzählte ihr von einer geheimen Affäre mit dem Präsidenten. Für Tripp sollte dieses private Geständnis bald zum Funken eines landesweiten Skandals werden.

Wie begannen die heimlichen Aufnahmen?

Tripp begann im Oktober 1997, ihre Telefonate mit Lewinsky aufzunehmen. Eine konservative Literaturagentin namens Lucianne Goldberg hatte ihr dazu geraten. Innerhalb weniger Monate nahm Tripp rund 20 Stunden private Gespräche auf. Die Bänder hielten fest, wie Lewinsky die Affäre mit eigenen Worten schilderte.

Monica Lewinsky auf einem offiziellen Foto des Weißen Hauses aus den 1990er Jahren

Monica Lewinsky auf einem Foto des Weißen Hauses. Tripp nahm ihre privaten Telefonate heimlich auf.
(public domain)

Auf den Bändern gab Tripp die fürsorgliche Freundin. Sie gab Lewinsky Ratschläge. Sie drängte sie auch, Beweise aufzubewahren. Tripp riet Lewinsky, ein marineblaues Kleid nicht reinigen zu lassen, auf dem sich DNA des Präsidenten befand. Dieses Kleid wurde später zum handfesten Beweis.

Tripp gab an, sie habe die Telefonate aufgenommen, um sich selbst zu schützen. Sie befürchtete, in einen Gerichtsprozess hineingezogen und zur Lüge gezwungen zu werden. Später bezeichnete sie ihre Beweggründe als patriotisch. Kritiker sahen das völlig anders. Für sie hatte sie eine Freundin verraten, die ihr vertraut hatte.

Warum gab sie die Bänder an Ken Starr?

Im Januar 1998 übergab Tripp die Bänder dem unabhängigen Sonderermittler Ken Starr. Er ermittelte bereits gegen den Präsidenten. Im Gegenzug erhielt Tripp Straffreiheit für die illegalen Aufnahmen. Die Bänder lieferten Starr den Beweis, dass die Affäre real war, obwohl Clinton und Lewinsky beide alles abgestritten hatten.

Ken Starr, der unabhängige Sonderermittler, der gegen Präsident Clinton ermittelte

Sonderermittler Ken Starr, der seinen Fall auf Tripps Bändern aufbaute.
© Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)

Die Bänder änderten alles. Clinton hatte der Öffentlichkeit erklärt: "Ich hatte keine sexuellen Beziehungen zu dieser Frau." Die Aufnahmen zeigten, dass dies falsch war. Starr weitete seine Untersuchung aus, um nach Meineid zu suchen. Die Geschichte schlug in der Presse ein und hielt das ganze Land in Atem.

Im Dezember 1998 leitete das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton ein. Die Vorwürfe lauteten Meineid und Behinderung der Justiz. Der Senat sprach ihn im Februar 1999 frei, sodass er sein Amt behielt. Doch der Skandal prägte seine Präsidentschaft für immer. Tripps Bänder standen dabei im Mittelpunkt.

Waren die heimlichen Aufnahmen legal?

Tripps Aufnahmen waren nach dem Recht des Bundesstaats Maryland illegal. Dort müssen beide Gesprächspartner zustimmen, bevor ein Telefonat aufgezeichnet werden darf. Tripp nahm Lewinsky von ihrem Zuhause in Maryland aus ohne Einwilligung auf. Das setzte Tripp einer strafrechtlichen Verfolgung aus, obwohl die Bänder eine landesweite Untersuchung vorantrieben.

Im Jahr 1999 klagte Maryland Tripp nach seinem Abhörgesetz an. Neunundvierzig Demokraten des Bundesstaats hatten auf das Verfahren gedrängt. Doch es zerfiel bald. Tripps Immunitätsdeal auf Bundesebene hatte die Beweise unbrauchbar gemacht. Das Gericht konnte ihre eigenen geschützten Aussagen nicht gegen sie verwenden.

Es gab ein zweites Problem für den Bundesstaat. Um Tripp zu verurteilen, brauchten die Ankläger eine Aussage von Lewinsky. Der Richter entschied, dass Lewinsky keine glaubwürdige Zeugin sei. Am 26. Mai 2000 ließ der Bundesstaat sämtliche Anklagepunkte fallen. So verlief die Reihenfolge der Ereignisse:

  1. Oktober 1997 - Tripp beginnt, Telefonate mit Lewinsky heimlich aufzunehmen.
  2. Januar 1998 - Sie übergibt die Bänder an Ken Starr und erhält Straffreiheit.
  3. Dezember 1998 - Das Repräsentantenhaus leitet ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Clinton ein.
  4. Februar 1999 - Der Senat spricht Clinton frei.
  5. 1999 - Maryland klagt Tripp nach seinem Abhörgesetz an.
  6. Mai 2000 - Der Bundesstaat lässt alle Anklagepunkte gegen sie fallen.

Wie wurde an Linda Tripp Vergeltung geübt?

Während Tripp die Starr-Untersuchung unterstützte, schlug das Pentagon zurück. Im März 1998 gaben hochrangige Verteidigungsbeamte private Details aus ihrer Personalakte an die Presse weiter. Sie enthüllten eine alte Festnahme aus der Zeit, als sie 19 war. Das Ziel war, sie als Lügnerin darzustellen und ihren Ruf zu zerstören.

Die Weitergabe verstieß gegen ein Bundesgesetz. Ein Verteidigungsbeamter, Kenneth Bacon, und sein Stellvertreter Clifford Bernath gaben das Aktendetail an einen Reporter des Magazins The New Yorker weiter. Die hauseigene Generalinspektion untersuchte den Fall. Sie stellte fest, dass beide Männer gegen den Privacy Act von 1974 verstoßen hatten.

Tripp verklagte das Verteidigungsministerium und das Justizministerium. Das Verfahren zog sich über Jahre. Im November 2003 einigte sich der Staat auf einen Vergleich. Der Gegensatz im Kern ihrer Geschichte ist krass:

Verletzung der Privatsphäre Wer es tat Rechtliches Ergebnis
Heimliche Aufnahme einer privaten Freundin Linda Tripp Straffreiheit, keine Verurteilung
Weitergabe der Personalakte einer Bundesbediensteten Pentagon-Beamte Verstoß gegen den Privacy Act, Zahlung von 595.000 Dollar

Der Vergleich brachte Tripp mehr als 595.000 Dollar ein. Sie erhielt zudem eine rückwirkende Beförderung, Gehaltsnachzahlungen und eine Pension. Der Staat ließ sie wieder für Stellen im Bundesdienst zu. Die Weitergabe, die sie vernichten sollte, endete mit der amtlichen Feststellung, dass ihre eigenen Vorgesetzten das Gesetz gebrochen hatten.

War Linda Tripp wirklich eine Whistleblowerin?

Ob Tripp eine Whistleblowerin war, ist bis heute umstritten. Befürworter sagen, sie habe einen Präsidenten entlarvt, der unter Eid gelogen habe. Kritiker sagen, sie habe das Vertrauen einer Freundin wegen einer privaten, einvernehmlichen Affäre verraten. Das Etikett hängt davon ab, was sie aus Sicht des Betrachters wirklich aufdeckte.

Eine Whistleblowerin meldet Fehlverhalten im öffentlichen Interesse. Tripp argumentierte, genau das habe sie getan. Sie war überzeugt, Clinton habe Lewinsky in einem Verfahren wegen sexueller Belästigung zur Lüge gedrängt. Aus ihrer Sicht war das Behinderung der Justiz und nicht nur eine private Affäre.

Andere lehnen den Titel ab. Lewinsky hatte sich Tripp als Freundin anvertraut. Tripp nahm diese Gespräche heimlich auf und brach dafür das Gesetz. Für Lewinsky war es ein tiefer Verrat. Vor einer Grand Jury sagte sie einmal: "Ich hasse Linda Tripp." Tripp beteuerte dennoch, sie würde alles wieder genauso tun.

Was geschah später mit Linda Tripp?

Nach dem Skandal zog sich Tripp aus dem öffentlichen Leben zurück. Die Clinton-Regierung entließ sie im Januar 2001 an ihrem letzten vollen Amtstag aus dem Pentagon. Später heiratete sie erneut, ließ sich in Virginia nieder und betrieb mit ihrem Mann einen Weihnachtsladen namens The Christmas Sleigh.

Jahrelang blieb sie still. 2018 brach sie ihr langes Schweigen, um ihre Entscheidung zu verteidigen. Sie bezeichnete sich als Opfer eines High-Tech-Lynchmords. Sie sagte, die Geschichte habe sie ungerecht beurteilt. Sie rückte nie von dem ab, was sie getan hatte.

Linda Tripp starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs am 8. April 2020 im Alter von 70 Jahren. Als die Nachricht von ihrer Erkrankung die Runde machte, schrieb Lewinsky, sie hoffe auf ihre Genesung. Eine von Tripp verfasste Autobiografie erschien noch im selben Jahr.

Was ihr Fall für den Schutz von Whistleblowern bedeutet

Tripps Geschichte zeigt, was passiert, wenn es keinen sicheren Weg zur Meldung gibt. Sie glaubte, ein Verbrechen erkannt zu haben. Sie hatte keinen vertrauenswürdigen, rechtmäßigen Kanal, um es anzusprechen. Also griff sie zum Tonbandgerät und brach das Gesetz. Ein klarer Meldeweg hätte die ganze Geschichte vielleicht verändert.

Ihr Fall zeigt auch den Preis der Rache. In dem Moment, in dem sie zum Problem wurde, gab ihr eigener Arbeitgeber ihre private Akte weiter, um sie zu diffamieren. Das ist eine Vergeltungsmaßnahme wie aus dem Lehrbuch. Es gibt strenge Regeln, um so etwas zu verhindern, und Tripps Entschädigung bewies, dass der Privacy Act echte Wirkung hatte.

Gute Systeme machen den sicheren Weg einfacher. Ein modernes Hinweisgebersystem ermöglicht es Beschäftigten, Fehlverhalten vertraulich zu melden, sogar ohne ihren Namen zu nennen. Es führt eine sichere Aufzeichnung ohne heimliche Tonbänder. Es schützt auch die Person, die sich äußert, vor Vergeltung. Niemand sollte zwischen dem Gesetz und seinem Gewissen wählen müssen.

Linda Tripp: häufig gestellte Fragen

War Linda Tripp eine Whistleblowerin?

Das ist umstritten. Manche nennen sie eine Whistleblowerin, weil sie einen Präsidenten entlarvte, der unter Eid log. Andere nennen sie eine Verräterin, weil sie eine Freundin heimlich aufnahm. Sie selbst sagte stets, ihr Ziel sei gewesen, Fehlverhalten aufzudecken, und nicht, Lewinsky zu schaden.

Was nahm Linda Tripp auf?

Sie nahm rund 20 Stunden privater Telefonate mit Monica Lewinsky auf. Auf den Bändern schilderte Lewinsky ihre Affäre mit Präsident Clinton. Tripp machte die Aufnahmen in ihrem Zuhause in Maryland ohne Lewinskys Einwilligung.

Musste Linda Tripp ins Gefängnis?

Nein. Maryland klagte sie 1999 nach seinem Abhörgesetz an, doch das Verfahren wurde 2000 eingestellt. Ihr Immunitätsdeal auf Bundesebene hatte zentrale Beweise unbrauchbar gemacht. Sie verbüßte nie eine Haftstrafe.

Wie viel Geld bekam Linda Tripp?

Sie erstritt mehr als 595.000 Dollar vom Staat. Sie erhielt zudem eine rückwirkende Beförderung, Gehaltsnachzahlungen und eine Pension. Die Zahlung beendete ihre Klage, das Pentagon habe durch die Weitergabe ihrer Akten gegen den Privacy Act verstoßen.

Wann starb Linda Tripp?

Linda Tripp starb am 8. April 2020 im Alter von 70 Jahren. Die Ursache war Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ihre letzten Jahre hatte sie damit verbracht, einen Weihnachtsladen in Virginia zu betreiben.

Fazit

Linda Tripp bleibt eine Figur, die sich schwer beurteilen lässt. Sie half, einen Präsidenten zu entlarven, brach dafür das Gesetz und verlor dabei ihren guten Ruf. Ihr eigener Arbeitgeber brach daraufhin das Gesetz, um sie zu bestrafen. Wenige Whistleblower-Geschichten sind so verworren.

Die Lehre ist einfacher als die Frau. Menschen, die Fehlverhalten entdecken, brauchen einen sicheren, legalen Weg, es zu melden. Sie brauchen echten Schutz vor Rache. Gewährt man ihnen das, so brauchen sie kein verstecktes Tonbandgerät, um gehört zu werden.

Aktualisiert am
Kamila Caban

Forscherin und Datenanalystin im Bereich Whistleblowing. Erzählt die Geschichten bekannter Whistleblower und den Hintergrund ihres Kampfes um Verantwortung.

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